Minimalismus leben – eine Anleitung für Anfänger

Minimalismus leben

Die Angaben schwanken, aber erschreckend hoch ist die Zahl allemal: Etwa 80 Prozent der arbeitstätigen Menschen hassen ihren Job. Dabei ist es so einfach, sich dem lästigen Übel zu entledigen.

Ich bin raus: Die Ausgangssituation

Robert Wringham hat den Weg aus der dumpfen Erwerbstätigkeit geschafft. Heute verbringt er seine Zeit hin und wieder damit, als Journalist oder Humorist tätig zu sein. Vor allem aber liest er gern Bücher aus der Bibliothek und isst mit Vorliebe Pfirsiche. Er konnte es bereits in jungen Jahren nicht mehr ertragen: Jobs, die keinen größeren Sinn machen, blickende Neonröhren, die uns durch den Tag begleiten und so unfassbar viele Menschen, die wir nicht mögen, aber als Arbeitskollegen dulden müssen. Hinzu kommt die Pendelei im öffentlichen Nahverkehr, Staus und die Suche nach dem Parkplatz. All das bedeutet Stress – lohnt er sich? „Trotz dieser aufreibenden Aktivitäten sind die meisten von uns verschuldet, weil wir verzweifelt versuchen, unsere Würde durch den Konsum zurückzuholen“, erklärt Wringham in seinem Buch „Ich bin raus. Wege aus der Arbeit, dem Konsum und der Verzweiflung“. Und für den Konsum von Apps, Abos und teuren Pauschalreisen benötigen wir Geld. „Wir arbeiten, um unsere Schulden zu bezahlen, und wir häufen Schulden an wegen der unwürdigen Bedingungen, unter denen wir arbeiten“, resümiert Wringham.

Minimalismus leben

Minimalismus leben: Der Weg in die Freiheit

Eigentlich ist es ganz einfach, diesem Kreislauf zu entkommen: Wenn wir weniger konsumieren und uns auf die wichtigen Dinge im Leben konzentrieren, benötigen wir auch weniger Geld und müssen somit auch weniger arbeiten. „Wie viel Geld und Dinge sind nötig, um uns glücklich zu machen?“, fragt Wringham. Seine Antwort: Sehr wenig. Es muss nicht das teure Restaurant sein, in dem wir essen. Auch ein großes Auto, eine Schublade voll Schmuck und ein dekadenter Lebensstil machen nicht glücklich. Oft befinden wir uns in einer Falle, die aus Sicherheitsbedenken, Existenzangst, Prestige und Ruhmsucht besteht. Wir wollen etwas darstellen. Dieser Punkt muss überwunden werden, um Minimalismus leben zu können.

Minimalismus leben

Konsum, Arbeit und Bürokratie entkommen

Wringham gibt das Magazin New Escapologist heraus, das sich mit der Befreiung aus gesellschaftlichen Zwängen beschäftigt. In seinem Buch bedient er sich der Idee von Harry Houdini, der als Entfesselungskünstler in die Geschichte einging. Wie auch er sich immer wieder aus seiner misslichen Lage befreien musste, müssen wir die Fesseln sprengen, die uns unglücklich machen und davon abhalten, ein zufriedenes und selbstbestimmtes Leben zu führen. Unterhaltsam führt Wringham durch seinen eigenen Entfesselungsakt und bietet die perfekte Anleitung, wie auch wir vorgehen können. Dabei gibt es radikale und weniger radikale Wege, aber viele seiner Tipps sind Gold wert.

  • Bürokratie: Hab nur ein Konto, eine Kreditkarte und nutze nur die Social-Media-Profile, die unabdingbar sind.
  • Konsum: Man muss keinen strikten Minimalismus leben, aber es gilt, nur Dinge zu besitzen, die wirklich benötigt werden. Das 20ste Paar Schuhe, der Fernseher für das Bad und Nippes gehören nicht dazu.
  • Arbeit: Für Anfänger reicht es, strikt auf Überstunden zu verzichten oder in Teilzeit zu arbeiten. Profis, die im Minimalismus leben möchten, rechnen aus, wie viel Geld sie benötigen, um in einem bestimmten Lebensalter in den Ruhestand gehen zu können. Das benötigte Geld wird in den kommenden Jahren zurückgelegt. Je nachdem wie sparsam derjenige lebt, ist er mit 33 oder 55 Jahren frei für Abenteuer.

Wer sich am Montag schon auf den Freitag freut und der Ablenkung durch digitales Entertainment überdrüssig ist, der findet in Wringham ein Vorbild und eine Inspiration für die eigene Flucht aus dem Konsum.

 

Minimalismus leben, so geht’s:

Robert Wringham: Ich bin raus. Wege aus der Arbeit, dem Konsum und der Verzweiflung.
Heyne Verlag, München 2016. 336 Seiten, 16,99 Euro.
ISBN: 978-3-453-27080-0

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